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Haltegurte und Halteseile

 

Persönliche Schutzausrüstungen zum Halten sind Bestandteile von Systemen zum Rückhalten von Personen oder zur Arbeitsplatzpositionierung. Ziel der Verwendung dieser PSA ist das Fernhalten des Benutzers von der Absturzkante (Rückhalten) oder die Schaffung einer standsicheren Arbeitsposition (Arbeitspositionierung). (siehe Abb. 1) Haltegurte EN 358 und Verbindungsmittel (Halteseile) EN 358 sind nicht geeignet und dürfen nicht als Bestandteil eines Auffagsystems für den Absturzfall eingesetzt werden.


Was ist ein Rückhaltesystem?

Systeme zum Rückhalten verhindern, dass Personen eine Absturzkante erreichen können.

Rückhaltesysteme schränken den Bewegungsbereich der Benutzerinnen und Benutzer dahingehend ein, dass die Absturzkante nicht erreicht werden kann und somit ein Absturz ausgeschlossen ist.

Das System besteht aus einer Anschlageinrichtung, einem Verbindungsmittel und einem Haltegurt bzw. Auffanggurt. Ein Absturz wird verhindert, indem ein Verbindungsmittel verwendet wird, dessen Länge kürzer als der Abstand von der Anschlageinrichtung zur Absturzkante ist. (siehe Abb. 6)



Besondere Hinweise für die Auswahl von Rückhaltesystemen

Für Rückhaltesysteme empfehlen sich zur Vermeidung von Absturzrisiken Verbindungsmittel mit fester Länge oder maximal einzustellender Länge, die jeweils kürzer sind als die Entfernung zur Absturzkante. (Beispiel: Rückhalteseil MA4 von MAS-Safety)

Die Verwendung von horizontalen Anschlageinrichtungen, die parallel zur Absturzkante verlaufen, ist sinnvoll. Dadurch kann mit einer gleichbleibenden Seillänge das Erreichen der Absturzkante verhindert werden. Ein ständiges Anpassen der Verbindungsmittellänge ist dabei nicht erforderlich.

In Rückhaltesystemen dürfen nur Verbindungsmittel eingesetzt werden, mit deren maximaler Länge die nächstgelegene Absturzkante nicht erreicht werden kann.


Was ist ein Arbeitsplatzpositionierungssystem?

Systeme zur Arbeitsplatzpositionierung halten Personen an ihrem Arbeitsplatz und sichern sie somit gegen Absturz oder Abrutschen.

Arbeitsplatzpositionierungssysteme ermöglichen es den Benutzerinnen und Benutzern durch das Hineinlehnen in das System und Fußkontakt zum Bauwerk, sich am Arbeitsplatz zu positionieren, wodurch ein Absturz verhindert wird.

Das System besteht aus einer Anschlageinrichtung, einem Verbindungsmittel mit Längeneinstellvorrichtung und einem Haltegurt bzw. Auffanggurt. Bei einem Arbeitsplatzpositionierungssystem kommt der ergonomischen Gestaltung der Bestandteile eine besondere Bedeutung zu, da die Person unter Umständen über einen längeren Zeitraum in einer Position gehalten werden muss.

Verbindungsmittel zur Arbeitsplatzpositionierung müssen straff gehalten werden, damit ein Sturz vermieden wird. (Deshalb nur Verbindungsmittel EN 358 mit Längeneinstellvorrichtung verwenden). Siehe Abb.2.

Aus ergonomischen Gründen und zum Schutz gegen Absturz beim Zugang zum Arbeitsplatz empfiehlt sich die Verwendung eines Auffanggurtes mit einem integrierten Haltegurt.


Haltegurte nach DIN EN 358

Haltegurte nach EN 358 sind Körperhaltevorrichtungen und sind Bestandteile der Systeme zur Arbeitsplatzpositionierung und zum Rückhalten. Sie umschließen den Körper an der Taille.

Ein Haltegurt besteht aus einem Gurtband mit Verschluss- und Einstellelementen, einer Rückenstütze und mindestens einer Halteöse zum Rückhalten. Zur Arbeitsplatzpositionierung ist ein Haltegurt zu verwenden, der mit zwei Halteösen ausgestattet ist.

Haltegurte sind zum Auffangen abstürzender Personen und zur Rettung von Personen nicht geeignet und deshalb für diese Verwendung unzulässig. Es besteht dabei unter anderem die Gefahr der Wirbelsäulenverletzung.

Haltegurte sind nur zum Zweck des Rückhaltens bzw. der Positionierung (Arbeitsplatzpositionierungssystem) geeignet. Voraussetzung ist hierbei eine Standfläche, deren Neigung und Oberflächenbeschaffenheit das Risiko des Ausrutschens oder Abrutschens ausschließt.

Haltegurte Typ B4 von MAS-Safety werden mit fest anmontierten Verbindungsmitteln EN 358 angeboten. Solche mit längenverstellbaren Verbindungsmitteln (Halteseilen) können sowohl zum Rückhalten, als auch für die Arbeitspositionierung (z.B. als Mastsicherungsseil) eingesetzt werden. (siehe Abb. 4)

Haltegurte Typ B4 von MAS-Safety bei denen die Verbindungsmittel eine definierte Länge haben und nicht verstellbar sind, können nur zum Rückhalten eingesetzt werden. (siehe Abb. 3)

Die gleichzeitige Bereitstellung von Haltegurten und Auffanggurten in einem Arbeitsbereich sollte aufgrund der Verwechslungsgefahr vermieden werden. Für diese Fälle wird die alleinige Verwendung eines Auffanggurtes mit integrierter Haltefunktion empfohlen. Hier ein Beispiel von MAS-Safety (siehe Abb. 5).



Verbindungsmittel nach DIN EN 358

Verbindungsmittel für Haltegurte sind Bestandteile von Systemen für das Verbinden eines Haltegurtes mit einem Anschlagpunkt oder für das Umschlingen eines Bauwerkteils, um ein Halten oder Positionieren zu ermöglichen.

Verbindungsmittel nach DIN EN 358 sind verbindende Bestandteile in Rückhalte- oder Arbeitsplatzpositionierungssystemen.

Verbindungsmittel nach DIN EN 358 bestehen aus Chemiefaser-Seilen, Drahtseilen oder Chemiefaser-Bändern mit Endverbindungen und Längeneinstellvorrichtung. Soweit mit erhöhter Schmutzeinwirkung oder UV-Strahlung zu rechnen ist, sind Kernmantelseile als Verbindungsmittel zu bevorzugen. Auf Grund des schützenden Mantels bleibt der überwiegende tragende Kern des Seiles vor äußeren Einwirkungen weitgehend geschützt.

Verbindungsmittel für Haltegurte sind nicht zu Auffangzwecken, d. h. für die Verwendung in einem Auffangsystem, geeignet.

Eine Längeneinstellvorrichtung empfiehlt sich grundsätzlich zur genauen Anpassung an die jeweilige Arbeitssituation. (siehe Abb. 8)

Verbindungsmittel in einer fixen und nicht verstellbaren Lange werden eingesetzt zum sogenannten Ruckhalten oder auch zum Anschlagen an Trägern oder Balken. (siehe Abb. 7) Beispiel: Verbindungsmittel VB SK12 von MAS-Safety.

Einstellbare Verbindungsmittel dienen der Stabilisierung zur Arbeitsplatzpositionierung und werden an den beiden Halteosen am Haltegurt oder am Auffanggurt angebracht. Zusatzlich konnen diese Verbindungsmittel auch als Anschlagverbindungsmittel benutzt werden, wenn diese nach EN 795 gepruft sind. (Beispiel: Halteseil Masi M5 von MAS-Safety)


Der Einsatz von Haltegurten EN358 und Verbindungsmitteln (Halteseile) EN 358 als Bestandteil in einem Auffangsystem ist lebensgefährlich und ausdrücklich untersagt! (DGUV-Regel 112-198)